Landwirte gesucht

Landluft und harte Arbeit auf einem Bauernhof macht Ex-Junkies fit für die Rückkehr in ein normales Leben.

10 Landwirte im Neckar-Odenwald-Kreis und den angrenzenden Landkreisen konnten für dieses Projekt bereits gewonnen werden. Sie haben seit 1996 ca. 230 jungen Menschen eine Heimat auf Zeit gegeben. Jetzt sucht „Therapie auf dem Bauernhof“ (TAB) für dies landesweit einzigartige Therapieprojekt wieder nach Landwirtsfamilien mit sozialem Engagement im Neckar-Odenwald-Kreis und den angrenzenden Landkreisen.

Indikationskriterien für die Auswahl der Landwirtsfamilien
Bei der Auswahl der Gastfamilien wurden unterschiedliche Kriterien angelegt, von denen hier einige beispielhaft
aufgeführt werden sollen:

  • Mehrgenerationenhaushalt als Grundgefüge im Sozialsystem
  • Arbeitsteilung und Überschaubarkeit der Arbeit auf dem Hof
  • Toleranz und Diplomatie gegenüber den verschiedenen Altersgruppen
  • Respekt und Einfühlungsvermögen der Menschen vor- bzw. füreinander
  • Kritikfähigkeit und Austragen von Meinungsverschiedenheiten

Für das Zusammenleben mit ehemals Drogenabhängigen ist die Offenheit gegenüber suchtspezifischen Fragestellungen
und die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit ihnen im Rahmen von „Fortbildungen“ durch Mitarbeiter der Therapieeinrichtung ein weiteres wichtiges Kriterium, also die Bereitschaft, sich mit einer zunächst völlig fremden Welt auseinanderzusetzen (siehe auch 4.9.5 Treffen der Gastfamilien).
Die von uns ausgewählten Gastfamilien entsprechen dem Bild einer Großfamilie oder dem soziologischen Begriff einer Hausfamilie. In einer Studie schreibt Marek Fuchs hierzu: „Hausfamilien ermöglichen die Anschlussfähigkeit der traditionellen Organisation des Alltags und überkommener Akkumulationsformen des Humankapitals (Großfamilien) an die Erfordernisse, denen Individuen in der modernen Gesellschaft in den Bereichen Bildung, Arbeit, Freizeit usw. gerecht zu werden haben. So lassen sich z.B. Kinder und Frauenerwerbstätigkeit, Erwerbstätigkeit und Hilfe für Pflegebedürftige, moderne Freizeitgewohnheiten und Ressourcenknappheit unter den Bedingungen einer Hausfamilie und der durch sie ermöglichten Akkumulation von sozialen und ökonomischen Ressourcen vergleichsweise leichter – möglicherweise überhaupt erst – vereinbaren.“
Für den Patienten entsteht so ein „Trainingsplatz“ in einem natürlichen Zusammenhang, der es ermöglicht, neue Lebensperspektiven zu entwickeln. Es vereinigen sich unterschiedlichste Spannungsfelder, ohne dass der Patient sich diese aussuchen, geschweige denn diesen entfliehen könnte.
Eine Auswahl von vier Gastfamilien soll an anderer Stelle den äußeren Rahmen einer Mehrgenerationen- oder Hausfamilie deutlich machen (siehe Anhang). Die hier beschriebenen Merkmale finden sich in akzentuierter Form bei allen beteiligten Gastfamilien dieser Therapie wieder.