Informationen für Landwirte

“Therapie auf dem Bauernhof” (TAB) – Ein Konzept, dass sich bewährt hat!

„Therapie auf dem Bauernhof“ (TAB) heißt leben und arbeiten eines ehemaligen Drogenabhängigen auf dem landwirtschaftlichen Betrieb einer Gastfamilie.
Aufgenommen werden bei TAB Suchtkranke, die keine Drogen mehr zu sich nehmen und die die Bereitschaft mitbringen, sich in eine Gastfamilie zu integrieren und auf dem landwirtschaftlichen Betrieb unentgeltlich mitzuarbeiten. Als Gegenleistung erhält der Klient von der Gastfamilie freie Unterkunft und Verpflegung und das Angebot, umfassend am Leben auf dem Bauernhof teilzunehmen. Hilfe auf Gegenseitigkeit, d.h. Arbeitsleistung gegen Unterstützung beim Ausstieg aus der Sucht und das Prinzip, den anderen nicht auszunutzen, sind wesentliche Leitgedanken von TAB. Durch geregelte Tagesabläufe, durch Teamwork, familiäre Gemeinschaft und Zusammenarbeit kann der Klient ganz neue Lebenserfahrungen sammeln. Im natürlichen Rahmen von Leben und Arbeiten gelingt es ihm, sein Selbstwertgefühl zu steigern sowie seine Leistungsfähigkeit wieder zu erlangen.
Neben der Arbeit auf dem Bauernhof steht die Arbeit an der Vergangenheit für die Vorbereitung auf ein suchtfreies Leben. Dazu hat der Suchtkranke während der neunmonatigen Therapie mindestens einmal in der Woche ein Einzelgespräch mit dem Therapeuten, der ihn dazu auf dem Bauernhof der Gastfamilie besucht.

Was bringt TAB für Sie?

Die Möglichkeit einen Helfer für neun Monate im Betrieb einzusetzen, der Sie beinahe unentgeltlich (gegen Kost und Logie) unterstützt
Finanzielle Entlastung
Mehr Zeit für die Familie
Wöchentliche Betreuung des Klienten durch den TAB-Mitarbeites
Ständige Erreichbarkeit des TAB-Mitarbeiters
Was ist TAB?

10 -15 landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe, im Radius von ca. 100 km um Mosbach/Baden, auf denen jeweils ein ehemaliger Drogenabhängiger für neun Monate lebt und arbeitet
Die Therapie des Suchtkranken erfolgt durch das multidisziplinäre TAB-Team (Arzt, Psychiater, Psychologe, Therapeut, Sekretärin)
Die Gastfamilie erfährt Anleitung und Hilfe bei allen auftretenden Fragen und Problemen durch den TAB-Mitarbeiter
Was suchen wir?

Landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe (Milchvieh-, Reitbetriebe etc.), die nicht weiter als 100 km von Mosbach/Baden entfernt sind
Gastfamilien, die bereit sind, einen ehemals Drogenabhängigen in die eigene Familie zu integrieren und sich mitdem Thema „Sucht“ auseinander zu setzen
Ein eigenes Zimmer für den Klienten
Lage der Höfe

Die landwirtschaftlichen Betriebe sind im Neckar-Odenwald-Kreis, aber auch in den angrenzenden Landkreisen angesiedelt. Dabei wurden Aussiedlerhöfe und Höfe in kleineren Dörfern ausgewählt.
Wichtigstes Auswahlkriterium für die Gastfamilie ist ein stabiles Familienleben und die Bereitschaft, einen Drogenabhängigen mit meist wenig Erfahrung mit Leben auf einem Bauernhof in die Familie zu integrieren und sich mit ihm auseinanderzusetzen. Ein wichtiger Gedanke dabei ist die gegenseitige Hilfeleistung und das Prinzip, den anderen nicht auszunutzen. Es handelt sich bei den kooperierenden Bauernhöfen ausschließlich um Vollerwerbsbetriebe, in der Mehrzahl Milchviehbetriebe und auch einige Reitbetriebe. Ein weiterer Betrieb züchtet Schafe und betreibt einen Bio-Hofladen. Neben den Nutztieren werden auf den Höfen eine Vielzahl weiterer Tiere gehalten, die jedoch nicht vorrangig zum Lebensunterhalt beitragen.

Erfahrungsbericht einer Gastfamilie

„Als wir von der „Therapie auf dem Bauernhof“ lasen und uns spontan zu einer Mitarbeit entschlossen, wussten wir noch nicht, was auf uns zukommen sollte.
Hilfe auf Gegenseitigkeit – ein ehemaliger Drogensüchtiger auf unserem Reitbetrieb / Bauernhof, in unserer Familie – einen Mitarbeiter, der uns nichts kostet. Reizvoll und zugleich von unkalkulierbarem Risiko schien uns die Aufgabe, einen jungen Menschen, soeben herausgerissen aus seinem jahrelangen Drogenkonsum, evakuiert aus der ihm so vertrauten „Szene“ oder direkt aus dem Gefängnis, in unsere Familie einzugliedern, sozusagen als Familienmitglied für die Dauer von neun Monaten.
Heute lebt unser achter Klient bei uns. Wir haben in diesen acht Jahren die unterschiedlichsten
Situationen erlebt und so unsere Erfahrungen gemacht.
Es ist sicher so, dass jeder Klient „etwas“ von hier, von uns, bewusst oder unbewusst mitnimmt und wir hoffen, es bereichert sein Leben und es stärkt sein Selbstbewusstsein. Seinen weiteren Weg durchs Leben muss er selbst gehen.
Wir haben gemerkt, dass am Anfang der Therapie von Seiten des Suchtkranken großes Interesse und Begeisterung für ein Leben auf dem Bauernhof und in der Familie da ist. Der Klient freut sich auf die Arbeit, um endlich wieder etwas Sinnvolles zu tun, um „gebraucht zu werden“, um Verantwortung zu übernehmen, ohne sich dabei ausgenutzt vorzukommen. Es kommt dann aber immer wieder vor, dass körperliche Reaktionen (z.B. Krankheit), dem Klienten Probleme bereiten „dran zu bleiben“ und „nicht aufzugeben“. Denn viele kennen das Kranksein nicht und sie wissen genau, „ein Schuss“ oder dementsprechend starke Medikamente würden dem „Leiden“ Abhilfe schaffen. Aber so müssen sie sich damit auseinandersetzen. Zusätzlich fällt die Umstellung auf einen geregelten Tages- und Nachtrhythmus nicht leicht. Um dem Klienten eine größtmögliche Hilfestellung zu bieten, ist die Dreier-Beziehung Klient-Gastfamilie-Therapeut sehr wichtig und muss im offenen, ehrlichen Einklang sein. Wir können somit ganz individuell auf den Klienten eingehen, Probleme ansprechen, diese ausdiskutieren und gemeinsam nach Lösungen suchen und finden. Wir haben festgestellt, dass unsere Kinder immer eine besonders herzliche Beziehung zu unseren Klienten aufgebaut haben.
Wir bedanken uns bei allen Klienten für ihre tatkräftige Mithilfe, die viele Arbeit auf dem Hof zu bewältigen. Wir bedanken uns bei TAB und dessen Mitarbeitern für ihr Engagement und ihre gewissenhafte Arbeit. Wir hoffen, dass wir in Zukunft noch viele junge Menschen in unserem Betrieb willkommen heißen dürfen, die sich auf den schwierigen, aber lohnenden Weg einer Drogentherapie auf dem Bauernhof begeben wollen.

Die meisten Informationen dieser Seite finden Sie nocheinmal zusammengefasst in dem Informationsflyer für Patienten, den Sie auf der Downloadseite herunter laden können.