TAB und seine Geschichte

In Deutschland werden Drogenabhängige vorwiegend in stationären Therapieeinrichtungen behandelt. Doch ein Teil der Patienten hat Schwierigkeiten, mit den Rahmenbedingungen in bestehenden Einrichtungen zurechtzukommen und bricht die Therapie, vor allem in der Anfangsphase, ab.
Nach einem oder mehreren Rückfällen sind die Patienten schwer oder überhaupt nicht mehr zu motivieren, sich an eine stationäre Einrichtung zu wenden. Auf diesem Hintergrund ist es sinnvoll und notwendig, alternative Therapieangebote zu entwickeln, die eine „stärker an Indikationskriterien orientierte, individuelle Behandlung betonen“ (Andrea Hinkelmann u. Dr. Eva-Maria Fahrner, IFT München 1995).
Darüber hinaus erscheint es ebenso notwendig, nach kostengünstigen und dennoch effizienten Alternativen zu suchen, da die inzwischen relativ hohen Kosten stationärer Drogentherapieeinrichtungen immer öfter kritisch hinterfragt werden.
Erste Behandlungsversuche mit Drogenabhängigen fanden 1970 überwiegend auf ehemaligen Bauernhöfen auf dem Lande statt, die zu therapeutischen Wohngemeinschaften umfunktioniert wurden. Dahinter stand die Überlegung, dass die Patienten möglichst weit weg von der bisherigen drogenkonsumierenden Umgebung einerseits und in einer möglichst „gesunden Umgebung“ andererseits behandelt werden sollten. Es wurde angenommen, dass allein die Distanz zur früheren Drogenszene die „Abwehrkräfte“ gegen einen Rückfall stärken könne. Es hat Jahre gedauert, bis dieser zentrale Irrtum erkannt wurde. Distanz zur Drogenszene alleine löst die Problematik nicht, im Gegenteil – sie kann sogar problemverstärkend wirken, wenn der Aufenthalt sehr lange andauert und erhebliche Übergangsprobleme bei der Wiedereingliederung entstehen. Aufgrund von Forschungsergebnissen um 1980 (vor allem Marlatt) wurde deutlich, dass eine aktive Rückfallprävention im Sinne spezifischer therapeutischer Maßnahmen notwendig ist.
Seit 1970 haben sich die stationären therapeutischen Einrichtungen zunehmend professionalisiert und qualifiziert. Die psychotherapeutischen Inhalte haben an Bedeutung gewonnen, während die soziotherapeutischen Inhalte wie Arbeits‑ und Freizeitgestaltung tendenziell eher zurückgingen. Lange stationäre Aufenthalte werden, soweit sie nicht im Einzelfall indiziert sind, heute eher als kritisch angesehen. Zukünftige Entwicklungen liegen in der Kombination von kurzzeitigen stationären Aufenthalten und intensiver ambulanter Betreuung. Bei der beschriebenen Entwicklung der professionellen Behandlung in den letzten Jahren mag es auf den ersten Blick verwundern und als ein Schritt zurück erscheinen, dass 1996 vom Gesundheitsministerium ein Modellprogramm zur Betreuung von Drogenabhängigen auf dem Bauernhof initiiert wurde, das die fachlichen Entwicklungstrends der letzten Jahre völlig umdreht und dort ansetzt, wo 1970 die Behandlung begonnen wurde. Der Unterschied zu damals liegt jedoch darin, dass Drogenabhängige jetzt auf einem „richtigen“ Bauernhof mit aktiver Bewirtschaftung leben, dort in die Familie und den Arbeitsprozess eingebunden sind und regelmäßig von TAB-Mitarbeitern therapeutisch betreut werden. Eine Pilotstudie in Bayern brachte überraschend gute Ergebnisse und war Grundlage für ein Modellprogramm mit größerem Umfang zur Absicherung der Ergebnisse (Vogt et al., 1995).
Fasst man die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung zusammen, so sind sie besser als der Standard dessen, was heute in stationären Einrichtungen für Drogenabhängige im Durchschnitt erreicht wird. Dies ist umso interessanter, wenn man bedenkt, dass zusätzlich zu den guten Therapieergebnissen deutliche Kosteneinsparungen für den Therapiekostenträger hinzukommen.

Erstes TAB-Logo und Info Flyer