Die Gastfamilien von TAB

Die Bauernhöfe sind in der Regel Familienbetriebe, in denen die Familienmitglieder, die auf dem Hof leben, nach Bedarf arbeiten. Für die Gastfamilien ist vor dem Hintergrund eines traditionellen Familienverständnisses die Einbeziehung des Patienten in die familiäre Gemeinschaft von großer Bedeutung. Darüber hinaus ist die Integration der Gastfamilie in die Dorfgemeinschaft obligatorisch.

Im Rahmen dieser Rehabilitationsmaßnahme greifen wir auch auf gesundheitsdienliche Fähigkeiten der Gastfamilien zurück, d. h. bei akuten Befindlichkeitsstörungen werden die Patienten zunächst nach der bisherigen persönlichen Lebensweise und -einstellung befragt. Da in vielen Fällen davon auszugehen ist, dass eine langjährig gewachsene Sucht vorliegt, besteht das Ziel in einer Empfehlung von Hausmitteln oder anderen anerkannten Naturheilverfahren, die in vielen Gastfamilien genutzt werden.

Zur Lebenssituation der Landwirtsfamilien am Beispiel von vier Familien

Familie S.

Die Mitglieder dieser Familie kommen aus dem Hohenloher Land und haben im Landkreis Schwäbisch Gmünd den Hof der Eltern übernommen. Der Betrieb hat eine Größe von ca. 18 ha. Der Hauptwirtschaftszweig ist eine Schäferei mit 100 Mutterschafen und Obstanbau. Daneben betreibt die Familie einen Bio-Hofladen, in dem sie Eigenprodukte, Naturkost und Fellprodukte direkt vermarktet.
Der Landwirt und seine Frau (Heilerziehungspflegerin) sind 47 bzw. 40 Jahre alt. Sie haben vier Kinder im Alter von 8-15 Jahren, drei Töchter und einen Jungen. Der Hof wird, von Spitzenarbeitszeiten (z.B. Heuernte) abgesehen, von der Familie allein bewirtschaftet. In den genannten Spitzenzeiten gibt es eine gut funktionierende Nachbarschaftshilfe. Die dort untergebrachte Patientin unterstützt die Familie bei allen anfallenden Arbeiten im Haushalt, auf dem Hof und der Arbeit mit den Schafen. Es entsteht so ein umfangreiches Lern- und Erprobungsfeld in der Arbeitssituation, welches durch die vielfältigen Begegnungen und Interaktionsformen innerhalb der Familie ergänzt wird. Es gibt in der Familie eine hohe Bereitschaft, sich mit den persönlichen Problemen der Patientin auseinanderzusetzen und außerhalb der Betreuungszeiten durch den Therapeuten nach sinnvollen Lösungen zu suchen.
Von großer Bedeutung in dieser Familie ist die Auseinandersetzung mit christlichen Werten und Normen in einer von Toleranz geprägten Art und Weise. Die Eltern und auch die Kinder sind aktive Mitglieder in der Kirchengemeinde.

Familie H.

Diese Familie lebt auf einem 120 ha Hof im Neckar-Odenwald-Kreis, hat 110 Stück Vieh (50 Milchkühe und Nachzucht) und eine kleine Herde Angus-Rinder.
Der Landwirt ist 55 Jahre alt und Landwirtschaftsmeister seine Frau ist 50 Jahre alt und Hauswirtschaftsleiterin. Die Familie hat zwei Söhne im Alter von 15 und 24 Jahren. Der ältere Sohn ist Landwirtschaftsmeister und führt den staatlich anerkannten Ausbildungsbetrieb gemeinsam mit seinem Vater.
Außerdem gibt es auf dem Hof einen landwirtschaftlichen Helfer und zahlreiche Freunde, die in Spitzenzeiten mithelfen. Für den Patienten entsteht so auf diesem Hof eine von Verständnis und Annahme geprägte Atmosphäre, in der der Patient auch von der Familie gut begleitet wird.
Erwähnenswert ist hier noch, dass die Söhne in der Freiwilligen Feuerwehr und in der Landjugend engagiert sind und sich so für den Patienten auch außerhalb des Betriebes Möglichkeiten der Freizeitgestaltung bieten.
Neben Milchvieh und Ackerbau beliefert der Betrieb Heizanlagen mit Hackschnitzel, ist Anlaufstelle für die Grüngutabgabe und ist durch die Mitgliedschaft im Maschinenring auch an überbetrieblichen Arbeitseinsätzen beteiligt.

Familie B.

Landwirt 56 J., Landwirtin 54 J. (Hauswirtschaftsgehilfin), Sohn 29 J. (Landwirt und Pferdewirtschaftsmeister),

Tochter 35 J. (Bürokauffrau) mit zwei Kindern von 4 Jahren und 8 Jahren, Außerdem lebt noch die Mutter des Landwirtes mit auf dem Hof.
Familie B. betreibt einen landwirtschaftlichen Pensions-, Reit- und Fahrstall im Landkreis Heilbronn. Der Hof ist 55 ha groß (Ackerbau und Grünland) und hat 60 Pferde, zahlreiche Koppeln, zwei Reithallen und wird von der Familie allein bewirtschaftet.
Der Patient unterstützt die Familie bei allen anfallenden Arbeiten auf dem Hof. Arbeitsschwerpunkt ist die Versorgung der Pferde. Der Hof bietet ein umfangreiches Lern- und Erprobungsfeld in der Arbeitssituation, welches durch die vielfältigen Begegnungen und Interaktionsformen innerhalb der Familie ergänzt wird.
Die zahlreichen Kontakte, die der Hof dem Patienten bietet, können von diesem sowohl im Hinblick auf eine spätere berufliche Perspektive wie auch für eine sinnvolle Freizeitgestaltung außerhalb des Betriebes genutzt werden.
Erwähnenswert ist noch, dass das Zimmer des Patienten mit einer kleinen Küchenzeile ausgestattet ist, die es ihm ermöglicht, seine Mahlzeit auch einmal selbst zuzubereiten.

Familie D.

Diese Familie bewirtschaftet einen 110 ha Hof im Rhein-Neckar-Kreis. Sie haben 40 Milchkühe und 15 Schweine.
Der Landwirt ist 31 Jahre alt und von Beruf staatlich geprüfter Wirtschafter für den Landbau und lebt gemeinsam mit seinen Eltern und seinem Zwillingsbruder, einem Landmaschinenmechanikermeister auf dem Hof. Von besonderer Bedeutung ist das große Interesse des Landwirtes, Arbeitsabläufe sowie alle Fragen der Landwirtschaft dem Patienten zu vermitteln. Kurz gesagt ist dies einer der Höfe, auf denen dem Patienten für zukünftige Tätigkeiten zahlreiche Fertigkeiten vermittelt werden.
Der Senior hat viel Wert darauf gelegt, die Verantwortung für den Betrieb voll an seinen Sohn abzugeben, so dass in dieser Frage der oft anzutreffende Generationenkonflikt nicht auftritt. Neben weiteren Familienmitgliedern helfen in Spitzenzeiten Freunde, Nachbarn und Familienangehörige bei der Arbeit und beziehen auch den Patienten in Freizeitaktivitäten mit ein. Durch den regelmäßigen Besuch von Freunden und Nachbarn auf dem Hof entsteht eine lebendige und gemeinschaftliche Atmosphäre.
Sehr wichtig ist in dieser Familie die Auseinandersetzung mit christlichen Werten und Normen, ohne diese jedoch dem Patienten aufzudrängen. Die Eltern und auch die Kinder sind aktive Mitglieder in der christlichen Kirche.